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HALLO NIEMAND. ÜBER DIE VERSEHRTHEIT VON KÖRPER, GEIST UND WAHRHEIT.

u.a. mit Miljenko Jergović, Yevgeniy Breyger, Yara Hoffmann, Kinga Tóth

Auch in diesem Jahr lädt die Bundeszentrale für politische Bildung zu einem besonderen Abend im Rahmen der Buchmesse ein – literarisch, musikalisch und mit Autor*innen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

In Homers „Odyssee“ nennt Odysseus sich „Niemand“, um dem Zyklopen Polyphem zu entkommen. Dieser Trick steht für List, Täuschung und die Fähigkeit, die eigene Identität zu verschleiern. Heute steht „Niemand“ vor allem für Unsichtbarkeit, Entwertung und Verleugnung.

Wie wird Identität in einer Gesellschaft geformt, die zunehmend auf klare Kategorien besteht? Wie beeinflussen körperliche und seelische Versehrtheit unser Verständnis von Wahrheit? Und was trennt uns von Odysseus, der mit dem Trick des „Niemand“ sein Leben rettete?

Über Genregrenzen hinweg gehen unsere Gäste diesen Fragen auf den Grund und sprechen über die Entfremdung in der modernen Welt und die Suche nach menschlicher Verbindung.

Mit Yevgeniy Breyger (CH/UA), Maša Dabić (AT), Miljenko Jergović (HR), Tanja Šljivar (BA) und Kinga Tóth (HU).
Für musikalische Begleitung sorgt die Band slicr (Dream-Pop, Shoegaze und Lo-Fi Indie aus Bulgarien).
Der Abend wird moderiert von Yara Hoffmann.


In deutscher Sprache.

Eintritt frei, Anmeldung erforderlich.

 

ÜBER DIE MITWIRKENDEN

Tanja Šljivar ist eine bosnische Dramatikerin und Theaterautorin. Ihre Stücke wurden in zehn Sprachen übersetzt und auf Bühnen von Belgrad bis Berlin aufgeführt. Sie erhielt alle relevanten Auszeichnungen für Bühnentexte in Bosnien-Herzegowina und Serbien, u. a. den Sterija-Preis. 2019 war sie Chefdramaturgin am Nationaltheater Belgrad. Im März 2026 erscheint ihr Romandebüt Nationaltheater bei Suhrkamp – eine Geschichte über eine junge Dramaturgin, die auf die konservative Institution des serbischen Nationaltheaters trifft, erzählt mit analytischer Präzision und dunklem Humor.

Kinga Tóth kommt aus der ungarischen Punk- und Noiseszene und arbeitet heute als Literatin, intermediale Künstlerin und Performerin. 2020 erhielt sie den Hugo Ball Förderpreis sowie den Prix Littéraire Bernard Heidsieck der Centre Pompidou. Sie forscht zu Nonnenkunst und lehrt an der Universität Mozarteum Salzburg. Ihr Gedichtband MARIAMACHINA (Matthes & Seitz) verbindet mittelalterliche Gebete, Nonnenkunst und die Erfahrungen moderner Frauen zu einer vielstimmigen, radikal-poetischen Collage.

Miljenko Jergović, 1966 in Sarajevo geboren, berichtete als Journalist aus der belagerten Stadt und lebt seit 1993 als freier Schriftsteller in Zagreb. Er gilt als einer der bedeutendsten Autoren aus dem Raum Bosnien-Herzegowina und Kroatien sowie darüber hinaus. 2026 erhält er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Sein aktueller Erzählband Das verrückte Herz (Suhrkamp, 2024) – ein Nachfolgeband zu seiner frühen Sammlung Sarajevo Marlboro – versammelt 29 neue Erzählungen aus dem belagerten Sarajevo: meisterhafte Erzählungen von der Menschlichkeit, die sich am Nullpunkt behauptet.

Yevgeniy Breyger, 1989 in Charkiw geboren, emigrierte als Kind mit seiner Familie nach Deutschland und studierte u. a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er ist Mitgründer des PEN Berlin und lehrt Literarisches Schreiben an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Sein Gedichtband Frieden ohne Krieg (kookbooks, 2023) wurde mit sechs Literaturpreisen ausgezeichnet. Sein neues Langgedicht hallo niemand (Suhrkamp, 2026) ist ein erzählender Roadtrip durch Deutschland – humorvolle Politsatire und ernsthafte Auseinandersetzung mit Krieg, Identität und totalitärer Wirklichkeit.

Slicr ist eine fünfköpfige Band aus Sofias Underground-Szene. Mit ihrer Debütsingle „Radio Valley" landeten sie binnen Wochen in über 200 Playlists und spielten eines der meistdiskutierten Debüt-Sets der SoAlive Music Conference in Sofia. Ihr Sound bewegt sich zwischen Dream-Pop, Shoegaze und Lo-Fi-Indie. Nach einer fast ausverkauften Bulgarien-Tour erscheint im Frühjahr 2026 ihre Debüt-EP, später im Jahr nimmt die Band in London ihr erstes Album auf.

Yara Hoffmann ist eine deutsche Journalistin und Moderatorin. Sie arbeitete u.a. für SWR3, 1LIVE, Südkurier und als ZDF-Redakteurin. Seit 2022 moderiert sie das MDR-Kulturmagazin artour und ist darüber hinaus als Speakerin und Podcasterin aktiv. Mit ihrem Podcast helloyara und weiteren eigenen Formaten setzt sie sich insbesondere mit frauenpolitischen und gesellschaftlich tabuisierten Themen auseinander.

Maša Dabić wurde 1981 in Sarajevo geboren und kam 1992 mit ihrer Familie nach Österreich. Ab 2010 war sie Journalistin bei daStandard.at. Sie arbeitet als Dolmetscherin im Asyl- und Konferenzbereich und lehrt an den Universitäten Innsbruck und Wien. Mascha Dabić übersetzte Texte von Barbi Marković, Vladan Matijević, Svetislav Basara, Jelena Mijović, Jelena Lengold, Marija Knežević und anderen. In ihrem Debütroman Reibungsverluste erzählt sie einen Tag aus dem Leben einer Dolmetscherin, die in einem Verein für Psychotherapie für Flüchtlinge arbeitet. Mit diesem Buch wurde sie von Daniela Strigl für den Franz-Tumler-Literaturpreis nominiert. Weiters war Dabić mit Reibungsverluste auf der Shortlist Debüt vom Österreichischen Buchpreis vertreten.

 

 


Eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung. 

  • Rollstuhlgerecht

MIT Yevgeniy Breyger (CH/UA), Maša Dabić (AT), Miljenko Jergović (HR), Tanja Šljivar (BA), Kinga Tóth (HU), slicr (BG)
MODERATION Yara Hoffmann
FOTO bpb (1), Bundesfoto/bpb (2)

Zugänglichkeit

  • Rollstuhlgerecht

Informationen

Eintritt frei, Anmeldung erforderlich. (über die Website der bpb)

Vergangene Termine

20.03.2026
Freitag, 20:00 Uhr
LOFFT - DAS THEATER, Saal