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BEIRAT ENTSCHEIDET ÜBER LOFFT-PROGRAMM 2014

18.09.2013

80 Bewerbungen: Liebe und fliegen

Das LOFFT ist ein Koproduktionstheater. Jährlich schreiben wir Produktionsplätze deutschlandweit aus. Künstler und Künstlergruppen bewerben sich daraufhin um einen Koproduktionsplatz. Kein Intendant, sondern ein künstlerischer Beirat wählt dann die Produktionen für das nächste Jahr aus. In diesem Jahr gingen 83 Bewerbungen ein. Nur wenige Bewerbungen waren unpassend oder mussten aus formalen Gründen abgelehnt werden. Nach 106 Bewerbungen und 8 ausgewählten großen Produktionen im letzten Jahr, hat sich die Bewerberzahl etwas verkleinert und entspricht den begrenzten finanziellen und infrastrukturellen Möglichkeiten.
Im Jahr 2014 werden sechs Produktionen umgesetzt, drei weitere können zusätzlich realisiert werden, wenn ausreichende Mittel zur Verfügung stehen. Wir haben so geplant, weil wir den ambitionierten und teilweise sehr groß angelegten Projekten unsere volle personelle und finanzielle Unterstützung gewähren wollen. Zum Beispiel erhalten junge Künstler ein intensives Mentoring. Zum Andern ist das Programm des LOFFT 2014 schon sehr voll. Da ist zum Beispiel unser Doppelpass mit OPER DYNAMO WEST, mit der wir dank der Kulturstiftung des Bundes die nächsten zwei Jahre zusammen arbeiten können und 2014 vier Musiktheaterprojekte realisieren werden. Weitere Kooperationen füllen den Spielplan und nehmen uns sehr in Anspruch: Da wäre zum Beispiel Zusammenarbeit mit dem Theater der Jungen Welt, den Festivals OFF EUROPA und euro scene Leipzig, neue Kollaborationen mit der Stiftung Friedliche Revolution oder der Palucca-Hochschule Dresden.
Unsere sechs Koproduktionen sind die Highlights in diesem Programm und bilden den Kern für das künstlerische Profil des freien Leipziger Theaterhauses. Alle Informationen finden Sie unten! Ach ja – die 83 Bewerbungen, die im LOFFT eingegangen sind, zeigen gut, was in den nächsten Jahren auf freien deutschen Bühnen passiert: Machen Sie sich gefasst auf eine volle Ladung Liebe, Beziehung, Familie und biografische Stoffe. Scheinbar ist da eine neue Biedermeierzeit angebrochen – aber seien Sie beruhigt, nicht im LOFFT! Außerdem haben wir viele Projekte mit der Gegenbewegung, mit dem Blick in die Ferne (Somalia, Chile, Togo) zugesandt bekommen. Oder dem Blick nach oben: Es  geht ums Fliegen! Solche Entwürfe konnten den Beirat überzeugen, weshalb sich auch zwei Koproduktionen genau damit beschäftigen. Daneben werden wir mindestens 8 weitere Projekte als Kooperationen und Gastspiele im LOFFT auf die Bühne bringen. Unter dem Label PLATTFORM geben wir vor allem Leipziger Künstlern Spielraum und Bühne, auch wenn wir sie nicht koproduzieren können. Diesem Auftrag werden wir als das freie Theaterhaus Leipzigs gern gerecht.

KOPRODUKTIONEN 2014  (Großprojekte, die mit weiteren Partnern realisiert werden)

PENG! PALAST aus Berlin/Bern mit FIGHT CLUB: OK! Ja! Wir sind verliebt in PENG! PALAST. Wir stehen auf PENG! Unser Beirat auch. Das Konzept ist aber auch gut! Die Deutsch-Schweizer Truppe eröffnet einen FIGHT CLUB, Sektion Lindenau im LOFFT. Sie verkaufen Ihnen the whole package! Sie werden Member auf Lebenszeit. Und schon wenn Sie anonym das Theater betreten, wissen PENG! PALAST mehr über Sie als Sie ahnen!

Irene Schröder und Wolfgang Kurtz aus Berlin mit I WOULD NOT THINK TO TOUCH THE SKY WITH TWO ARMS: Sappho auf englisch hört sich gleich viel cooler an. Und so zeitgemäß! Irene Schröder bedient sich dabei der Sprache des Tanzes. Ihre Frage lautet: Was passiert eigentlich alles mit uns, wovon wir nichts mitbekommen? Atmen zum Beispiel, dieser ständige Austausch von Innen und Außen. Und dann die Gravitation. Unsere Richtung ist immer nach unten! Was macht das mit unseren scheinbar perfekt darauf ausgerichteten Körpern? Um das alles zu hintergehen, schweben auf der Bühne riesige Luftobjekte, sogenannte Pneus, denen die Körper begegnen.

Bryckenbrant aus Berlin mit LEISTUNGSTRÄGER TOD: Die Toten sind in der Stadt und bitten zum Tanz! Die Darsteller sind teilweise behindert. Aber als was eigentlich? Sie behindern den Ablauf der Maschine Welt. Es geht um maximale Abstraktion unter Beibehaltung 100%iger Klarheit. Einfach nur Tod und Tanz. Byckenbrant und das LOFFT bieten dem Tod eine Bühne, die in direkter Nachbarschaft zum Orkus steht. Die Toten sind die Benachteiligten, die Totgeschwiegenen, die Randgruppe unserer modernen Gesellschaft. Wir helfen ihnen zurück in die Welt. Byckenbrant gibt den Stimmen einen Körper und feiert ein großes Fest des Todes - mit Tanz, Harlekin, Prozession. Sitzen alle? Dann Tür zu und Licht aus! Keine Angst. Es hat schon lange angefangen.

IMPULSPRODUKTIONEN (junge Künstler und Projekte mit Unterstützung eines Mentors)

Julian Rauter und Susanne Grau aus Leipzig mit DER TRAUM EINER SACHE: Das Stück erzählt die Geschichte von fünf Menschen im Alter zwischen 13 und 73. Die allesamt den Entschluss getroffen haben, nicht mehr an der menschlichen Schmierenkomödie teilzunehmen und aus freiem Willen zu fliegen. Allein durch Entschlossenheit und Größenwahn! Julian Rauter rührt hier an einen der ältesten Archetypen der Menschheit, an die erste Undenkbarkeit. Ein Grundmuster, dass trotz Flugzeug, Helikopter und Raumschiff in uns glimmt. Es geht um unseren Neid auf die Vögel als Mittler zwischen Engel und Menschen, zwischen oben und unten. Ja es ist ein Wagnis, ja es scheint unmöglich, aber wir glauben daran, dass an diesem Abend im LOFFT fünf Menschen fliegen! Wofür gibt es schließlich Theater?

Gundula Peuthert aus Leipzig mit SCHMIDT: Wer ist eigentlich Schmidt? Sie hat ein Durchschnittsalter, ein Durchschnittseinkommen und fährt mit Durchschnittsgeschwindigkeit. Sie ist du und ich! Und sie ist die Differenz, die du und ich uns zum Normalen bauen. Aber nein, du bist nichts besonderes! Und doch lebst du vom Glauben, anders zu sein. Wenn du es aber einmal annimmst und aufhörst, dich gegen das Normale zu wehren, lässt sich in diesem Durchschnitt eine Poesie finden, eine erzählerische Kraft, die mehr Welt ist als alles Besondere. Zumal wenn das in SCHMIDT getanzt wird. Es stellt sich eine seltsam sanfte Demut ein, die plötzlich alles so leichtmacht. Und wenn dazu10 Staubsauger-Roboter auf die Bühne surren, bist du eins mit der Welt.

Meet Roy + cobratheater.cobra aus Hildesheim mit TWILIFE: Da gibt es Menschen - und zwar nicht zu wenige - die führen ein Doppelleben. Die Gründe sind vielfältig und in dieser Produktion gar nicht so wichtig! Denn die Performer fragen sich, was es im Alltäglichen bedeutet, sich ein Doppelleben aufzubauen. Wie macht man das? Begleiten Sie die Darsteller dabei, wie sie sich ein zweites Leben erfinden. Sie suchen sich dazu Experten, von Doppelgängeragenturen für Prominente, über Alibiagenturen bis hin zu Psychologen mit Schwerpunkt Schizophrenie. Interessant ist dabei immer der Moment des Switchens, der Verwandlung, des Wechsels in das andere Konstrukt. Wie geht der ganz praktisch vonstatten und ist dieser Tausch pathologisch oder zeitgemäß?

Fotos: Rob Lewis, Andrea Emma Eßbach, Max Langendorf

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