FORWARD DANCE COMPANY

Die FORWARD DANCE COMPANY ist die erste dauerhaft in Sachsen arbeitende professionelle Tanzcompany, in der Tänzer*innen mit normativen und nicht-normativen Körperlichkeiten unter professionellen Bedingungen zusammenarbeiten. Die FORWARD DANCE COMPANY wurde von LOFFT – DAS THEATER und dem soziokulturellen Zentrum DIE VILLA Leipzig gegründet. Das LOFFT fördert seit über 10 Jahren die zeitgenössische Tanzszene Leipzigs im Bereich Mixed-Abilities. Die erste hauseigene mixed-abled Tanzcompany an einem freien Produktionshaus ist ein Pilotprojekt für Sachsen und ganz Deutschland.

Unsere Tanzcompany hat sich zum Ziel gesetzt, ästhetisch und diskursiv etablierte Denkweisen und Machtverhältnisse zu hinterfragen und unerforschtes Tanzvokabular zu entdecken. Im Jahr 2021 erarbeiten die sechs Tänzer*innen unter der künstlerischen Projektleitung von Gustavo Fijalkow und dem Choreografen Nir de Volff zwei neue Tanzproduktionen. 2021 und 2022 kooperiert die FORWARD DANCE COMPANY als "Associate Artist" mit der euro-scene Leipzig und arbeitet dabei mit den Choreograf*innen Markéta Stránska und Alessandro Schiattarella zusammen. 

 
Foto: Sofia Russo Munné

TÄNZER*INNEN

 

Mouafak Aldoabl 

Mouafak Aldoabl hat Ballet und Modern Dance am Enana Dance Theater in seiner Heimatstadt Damaskus, Syrien gelernt. Bis 2013 tanzte er in einigen Shows und Touren der Company des Enana Dance Theater. Seine erste Tanzausbildung machte er am Higher Institute of Dramatic and Arts, bevor er nach Berlin zog und begann, sich auf seinen eigenen Stil zu konzentrieren. Dort arbeitete er mit Choreograf*innen wie Sasha Waltz und Yoshiko Chuma zusammen. Im Jahr 2017 schloss er seine zweite Tanzausbildung an der Tanzakademiebalance 1 ab und begann anschließend bei TOTAL BRUTAL mit Nir de Volff zu arbeiten, wo er Improvisationsfähigkeiten erlernte und durch Europa tourte. Im April 2021 schloss er sich der FORWARD DANCE COMPANY für ihre zweite Produktion JOY an.


Simone Camargo

Simone Camargo ist professionelle Tänzerin, unter anderem von 2000 bis 2007 am Balé Teatro Guaíra und von 2007 bis 2010 an der Quasar Companhia de Dança in Brasilien. Im Jahr 2011 und von 2013 bis 2016 war sie Mitglied des Balé da Cidade de São Paulo. 2017 und 2018 tanzte sie bei der Curitiba Companhia de Dança und von 2019 bis 2020 am Staatstheater Nürnberg. Auch als Choreografin trat sie bereits mehrfach in Erscheinung.

Simone Camargo erhielt 2006 ihren Bachelor in Technology for Graphic Arts an der Universidade Tecnológica Federal do Paraná, Brasilien. 2014 absolvierte sie das erste Jahr des Masters in Tanz an der Université Paris VIII und machte 2016 ihren Abschluss in Kulturmanagement an der Universität SENAC-SP in São Paulo, Brasilien. Seit 2018 ist sie Studentin im Master in Performing Arts an der Université Grenoble Alpes in Frankreich.

 

Cordelia Lange

Cordelia Lange wurde in Bremerhaven, Deutschland geboren. Mit 16 Jahren begann sie mit dem Tanzstudium und erhielt ihren Bachelor an der Codarts in Rotterdam, Niederlande. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie freiberuflich mit verschiedenen Choreografen, wie Felix Landerer und Gabriella Maiorino, in den Niederlanden und in Deutschland. Von 2007 bis 2010 war sie Teil des Tanztheaters Bielefeld und wechselte anschließend für drei Spielzeiten von 2010 bis 2013 zum Staatstheater Oldenburg unter der künstlerischen Leitung von Guy Weizman und Roni Haver. In Oldenburg arbeitete sie unter anderem mit Omar Rajeh, Ann Van den Broek und Sharon Eyal. 2013 schloss sie sich der in Tel Aviv ansässigen Inbal Pinto und der Avshalom Pollak Dance Company an und entwickelte dort mehrere neue Arbeiten. Cordelia Lange hat außerdem im Laufe ihrer Jahre als Tänzerin auch ihre eigenen Werke geschaffen. Zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Performerin hat sie von 2017 bis 2019 Modedesign am Shenkar College in Israel studiert.

 

Íñigo Laudio

2015 begann Íñigo Laudio in Barcelona mit der inklusiven Tanzkompanie Liant la Troca des katalanischen Choreografen Jordi Cortés zu tanzen. Von 2016 bis 2018 tanzte er in seiner eigenen Kompanie COLECTIVO EL BROTE zusammen mit der Tänzerin Davínia Descals und kreierte zwei Tanzstücke. 2017 wirkte er als Schauspieler in der Fernsehserie TREVOLS DE 4 FULLES mit, einer Produktion für das katalanische Fernsehen, die sich mit der Inklusion von Menschen mit Behinderung in verschiedenen sozialen und kulturellen Bereichen beschäftigt. 2019 spielte er außerdem die Hauptrolle in ARMUGAN, ein Film des katalanischen Regisseurs Josol.

Íñigo Laudio findet in der Kunst und im körperlichen Ausdruck einen Weg der persönlichen und kollektiven Transformation. Für ihn ist es ein mächtiges Werkzeug, das alles verändern kann, sogar seine eigene Richtung. Zu akzeptieren, dass Emotionen und Schönheit von einem nicht-normativen Körper übertragen werden können, war ein wesentlicher Schritt, um seine Realität zu akzeptieren und sich im künstlerischen Bereich zu engagieren.

Er ist der Meinung, dass Kunst zu entwickeln und auszudrücken, keine Schranken oder Grenzen beinhaltet. Kunst ist in seiner Wahrnehmung eine Waffe der Inklusion und der Verständigung, die den Unterschied hervorhebt und ihn in eine Qualität verwandelt, die das dargestellte Werk bereichert.

 

Renan Manhães

Renan Manhães ist professioneller Tänzer, seit er 2016 dem Theatro Municipal do Rio de Janeiro beitrat. Dort arbeitete er mit Choreografen wie Dalal Achcar und Marcelo Gomes zusammen. Während dieser Zeit arbeitete er auch mit dem Ensemble von Renato Viera Cia de Dança und erforschte den afrikanisch verwurzelten Tanz und seinen religiösen Kontext in Brasilien. Wobei er diesen zum besseren Verständnis mit dem Kollektiv Armorial anwendete. Im Jahr 2018 schloss er sich dem Ballet Cymru in Wales an und arbeitete mit den Hauschoreografen Darius James, Jack Philp und Emma Lewis. Im Jahr 2019 zog er nach London, um sich der Viviana Durante Company in Zusammenarbeit mit dem Royal Ballet of London für eine Produktion zu Ehren an Kenneth MacMillan anzuschließen. 2020 zog Renan nach Deutschland, um als freischaffender Tänzer und Tanzlehrer zu arbeiten.

 

Lisa Zocher

Lisa Zocher hat seit ihrer Geburt eine körperliche Behinderung und sitzt deshalb im Rollstuhl. Mit elf Jahren begann sie beim Tanzlabor Leipzig im semiprofessionellen Bereich mit dem Tanzen. Dort ergab sich für sie die Möglichkeit in diversen Produktionen mit verschiedenen Choreograf*innen, wie unter anderem Gesa Volland, Marlen Schumann, Roman Windisch und Liron Dinovitz, zusammenzuarbeiten. Außerdem nahm sie an einigen Workshops teil. Dadurch konnte Lisa Zocher erste Erfahrungen im zeitgenössischen Tanz erwerben. Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung. Derzeit ist sie sehr stolz darauf, sich als Tänzerin der FORWARD DANCE COMPANY im zeitgenössischen Tanz weiter zu professionalisieren.

 

CHOREOGRAFIE:


Nir de Volff

Nir de Volff wurde in Tel Aviv geboren und absolvierte seine Tanzausbildung in Israel, wo er seine ersten beruflichen Schritte in lokalen Tanzensembles machte. In Tel Aviv trat er als Gasttänzer in Pina Bauschs Stück VIKTOR an der Israelischen Oper auf. 2000 ging er nach Amsterdam und begann eigene Arbeiten zu entwickeln. 2004 zog er nach Berlin und im Sommer 2007 gründete er seine Company TOTAL BRUTAL. Seither hat die Company ihre Produktionsstätte im Dock 11 und seit 2013 auch in den Sophiensaelen. Im September 2014 hatte TOTAL BRUTAL in Kooperation mit Regisseur Falk Richter Premiere an der renommierten Schaubühne am Lehniner Platz.

Nir de Volff hat mit zahlreichen Künstler*innen wie She She Pop am HAU in Berlin, mit Katarina Niminnen im 3. Stock der Volksbühne, Antú Romero Nunes am Thalia Theater Hamburg sowie mit David Herman an der Oper Frankfurt zusammengearbeitet.

TOTAL BRUTAL kooperiert mit einer Vielzahl an Performer*innen und unterschiedlichen Theatern, von kleinen Spielstätten bis hin zu großen Staatsbühnen. Nir de Volff arbeitet an internationalen Kulturaustauschprojekten, bei denen soziopolitische Themen mit Unterhaltung verbunden werden. Die Produktionen wurden in zahlreichen Theaterhäusern weltweit gezeigt.

Im August 2017 und Februar 2021 zeigte de Volff ein besonderes Projekt in Berlin mit drei geflüchteten syrischen Tänzer*innen: COME AS YOU ARE. Weitere Produktionen führten Nir de Volff an das Maxim Gorki Theater Berlin, zu den renommierten Wiener Festwochen, SESC Pinieiros Sau Paulo, Odeon Paris und an das Theater National du Strasbourg.

Nir de Volff wird regelmäßig von internationalen Theatern und Tanzorten eingeladen, Workshops und Meisterklassen zu seiner selbst entwickelten Bewegungsmethode BBM – Breathing Bodies Movement zu leiten.

 

Alessandro Schiattarella 

Alessandro Schiattarella wurde 1982 in Neapel geboren. Er studierte Tanz am Teatro San Carlo in Neapel, an der Mailänder Scala und machte seinen Abschluss bei Rudra Bejart in Lausanne. 2016 erwarb er den Abschluss in Advanced Studies in Tanzwissenschaften an der Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Bern und 2020 den Master in Fine Arts an der FHNW Basel.

Als Performer arbeitete er u.a. mit Maurice Bejart, Marco Goecke, Koen Augustijnen und Haris Pasovic zusammen. Er arbeitete in Institutionen wie dem Napoli Teatro Festival in Zusammenarbeit mit Les C de la B und der East West Theatre Production, dem Bejart Ballet Lausanne, dem Grand Theatre in Genf, dem Konzert Theater in Bern, dem Basel Ballett und dem Scapino Ballet in Rotterdam. 2014 kreierte er sein erstes Solo ALTROVE, das in der renommierten internationalen Plattform Aerowaves Twenty17 ausgewählt wurde.

Seit 1996 ist er von einer seltenen Krankheit namens "Hirayama Disease" betroffen, die ihn seit 2015 dazu veranlasst, choreografische Projekte im Bereich der Behinderung zu entwickeln, wie TELL ME WHERE IT IS (2015), STRANO (2017), ONE AT A TIME (2018) und zum Thema Männlichkeit als REJECTED (2019).

Seine Arbeiten wurden in Theatern, Kunsträumen und Festivals wie ROXY Birsfelden, Dampfzentrale Bern, Tanzhaus Zürich, Festival Belluard Bollwerk International Fribourg, Kunst Raum Riehen, Der Tank Basel, NO Limits Festival Berlin, Brave Festival Wracklaw, Temporada Alta Lima, Sommerblut Köln, Parade Festival Utrecht, Gati Dance Forum New Delhi u.a. präsentiert.

Seit 2016 wird seine Arbeit von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia für den kulturellen Austausch unterstützt: Es finden Seminare, Workshops und Projekte zwischen der Schweiz und Singapur, Großbritannien, Südafrika, Indien und Sri Lanka statt.

 

Markéta Stránská

Markéta Stránská (1979) ist Choreografin, Performerin und Physiotherapeutin. Sie lebt in der Tschechischen Republik und ist seit ihrer Kindheit vom Tanz inspiriert. Im Alter von sechs Jahren begann sie in einer Volkstanzgruppe zu tanzen. Während der Zeit auf dem Gymnasium entdeckte sie auch das Puppentheater für sich. Markéta Stránská arbeitet hauptsächlich mit dem DNO-Theater, einem bekannten lokalen Theater in Hradec Králové (CZ), zusammen. Außerdem hat sie als Mitglied der Non-Profit-Organisation Clown Doctor gearbeitet, die hilft Freude ins Gesundheitswesen zu bringen.

Seit 2012 ist sie aktives Mitglied der zeitgenössischen Tanzszene in Tschechien. Sie kreiert eigene Arbeiten in Theatern als auch im öffentlichen Raum. Sie nimmt regelmäßig an Workshops für zeitgenössischen Tanz teil, gibt Unterricht und beteiligt sich an Bildungsprojekten (z.B. Kunst für Schulen). Als professionelle Tänzerin und Performerin arbeitete sie 2015 erstmals mit der Kompanie VerTeDance (CZ) in dem von Jaro Viňarský (SK) choreografierten Projekt ABSENT (CHYBĚNÍ) zusammen. In der Spielzeit 2016/2017 war sie bei dem Freiwilligenprojekt "Audience Jury" im Rahmen des Festivals Czech Dance Platform dabei, als Teil des internationalen Projekts Be SpectActive.

2018 nahm sie an FILLIMIT, einer internationalen Plattform für junge Choreograf*innen, im Rahmen des KoresponDance Festivals in Žďár und Sázavou (CZ) und an einem International Summer Lab mit der Candoco Dance Company in London (UK) teil. Im September 2018 feierte sie ihr choreografisches Debüt mit der Solo-Tanzperformance FLY!, die sie mehrfach in Tschechien, der Slowakei, Russland, Frankreich, Deutschland, Polen und Ungarn präsentierte.

Im Jahr 2021 feierte ihr neuestes Stück ...OR TO BE in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen französischen Choreografen und Tänzer Jean Gaudin Premiere. Durch ihre Arbeit wächst ein lokales und internationales Netzwerk von Künstler*innen mit nicht-normativen Körperlichkeiten. 


KÜNSTLERISCHE PROJEKTLEITUNG: Dr. Gustavo Fijalkow

Gustavo Fijalkow ist Akademiker und Praktiker. Er erhielt seine Tanzausbildung in Argentinien, Deutschland und den Niederlanden. Als professioneller Tänzer trat er international auf und erforschte sowohl reine Tanzformen als auch ortsspezifische, experimentelle und interdisziplinäre Formate sowie Jugendtheater und Performance. Er war zehn Jahre lang kreativer Produzent und Produktionsleiter der DIN A 13 tanzcompany, Deutschlands Pioniercompany für mixed-abled Tanz. Eine Position, in der er internationale Koproduktionen mit mehreren afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Künstler*innen durchführte. Seinen Master of Arts in International Arts Management erhielt er mit der Arbeit "Bloodbath-Bloodbond. A historical snapshot of the Work of the Goethe-Institut Tel Aviv (Germany, 2010)" und seine Promotion mit der Doktorarbeit zu "National Dance Platforms. A comparative study of the cases in Germany, Israel, the UK and Sri Lanka (UK, 2020)". Er war British Council Fellow bei der Biennale in Venedig 2018.

Gustavo Fijalkow konzipierte und kuratierte mehrere internationale und interdisziplinäre Festivals und Konferenzen am tanzhaus nrw Düsseldorf, Consol Theater Gelsenkirchen, Kunsthaus Rhenania Köln, Institut für Tanz und Bewegungskultur der Deutschen Sporthochschule Köln. Er hielt Vorlesungen an mehreren Universitäten (CIAM / Hochschule für Musik und Tanz Köln, Cologne Business School, University of Warwick) und wird international regelmäßig zu Vorträgen eingeladen, um polyphone Diskurse über darstellende Künste zu bereichern. Sein Fokus liegt dabei stets auf systemimmanente Machtstrukturen und deren Auswirkungen auf ästhetische Diskurse.

2020 wurde ihm von LOFFT – DAS THEATER die künstlerische Projektleitung für die FORWARD DANCE COMPANY anvertraut.


PRODUKTIONSASSISTENZ: Anika Fey

Anika Fey studiert Kunstgeschichte und Germanistik in Dresden. 2019 war sie am Staatsschauspiel Dresden zunächst als Hospitantin für die Regisseure Sebastian Baumgarten und Jan-Christoph Gockel tätig, bevor sie von 2020 bis 2021 als Regieassistentin für die Bürger:Bühnen-Produktion Gefährten unter der Regie von Juliane Meckert und Diana Wesser arbeitete. Mit beiden Künstlerinnen verbindet sie seitdem eine weiterführende Zusammenarbeit. In Leipzig arbeitet sie seit September 2021 als Produktionsassistentin der FORWARD DANCE COMPANY.